Geschichten

Die Geschichte von Viveka – 2. Teil –

… Ein letztes Hindernis musste Viveka noch überwinden, das war ihm klar. Vor ihm lag ein gefährlicher Wald, den er durchqueren musste. In dem Wald gab es Giftschlangen, wilde Tiger und allerlei böse Geister. Er war schon fast ganz hindurch gewandert, als er zum dunkelsten Teil des Waldes kam. In der Dunkelheit fiel ihn ein wilder Tigergeist an und verletzte ihn schwer.

Eine alten weisen Frau fand ihn schwer verletzt im Wald. Sie wohnte im Dorf am Rande des Waldes. Sie brachte Viveka in ihre ärmliche Hütte, die direkt am Marktplatz des Dorfes war. Die Menschen im Dorf nannten sie Mutter, bei ihr blieb Viveka eineinviertel Jahre. Sie lehrte ihm die nächste Stufe des Yoga, in allen Wesen Gott und die Seele zu sehen. Auch in allen Erscheinungen dieser Welt, sogar in dem Tiger, der ihn so schwer verletzt hatte. Er lernte bei ihr sich für sich selbst zu öffnen und zur Erweckung aller Wesen beizutragen.

Nachdem sie ihn die Geheimnisse des Lebens und der Natur gelehrt hatte gab die Mutter ihm seine letzte Aufgabe. Er sollte seine Pilgerreise jetzt zu Ende bringen und zurück zu seiner wahren Heimat, in seinen physischen Körper, kommen. Er soll dort seinen rechtmäßigen Platz einnehmen, um sein Dharma erfüllen zu können.

Als er das Tor zu seinem Königreich durchschritt wurde er mit einem rauschenden Fest begrüßt. Seine Mutter Atma sagte ihm, dass sein Vater im langen Krieg im Kampf gestorben war und er nun der König sei.

Zuerst schreckte er vor dieser Pflicht zurück, weil er sich innerlich nicht wie ein König fühlte. Mit der Hilfe seines letzten Lehrers, einem angesehen Lehrer des Königreichs, durchschaute Viveka, im Laufe der nächsten Monate, seine irrtümlichen Identitäten.

Schlussendlich entdeckte Viveka seine wahre königliche Natur und regierte sein Königreich viele Jahre weise.

 

Das war die Geschichte von Viveka, die die Sichtweise der Yogaphilosophie wiederspiegelt. Das verborgene Königreich ruht in uns allen. Unser wahrhaftiges Potential ist vor uns verborgen unter einer Schicht irrtümlicher Rollen und unglücklicher Konditionierungen.

Wir spüren, bzw. haben eine Ahnung von unserem realen Selbst. Die Sehnsucht uns zu entdecken treibt uns zur Suche an. Der wahre Sinn unseres Lebens, unser Dharma entdecken wir auf der Suche nach unserem wirklichen realen Selbst.

Nacherzählt aus Stephen Copes Buch „Yoga – Die Suche nach dem wahren Selbst“

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