AtmungPranayama

Was passiert im Körper und Gehirn, wenn wir 30 Minuten bewusst atmen?

Wenn man auf kontrollierte Weise ohne Pause tief und gleichmäßig atmet, verlangsamen sich im Gehirn die Regionen unseres Ich-Bewusstseins. Sie sind zuständig für die Kontrollmechanismen des Ichs und die sich wiederholenden Gedanken und Gewohnheiten.

Diese Regionen werden Ruhezustandsnetzwerk genannt, engl. Default Mode Network (DMN). Das DMN ist eine Gruppe von Gehirnregionen im frontalen und präfrontalen Kortex (siehe Bild). 

Das DMN ist aktiv, wenn wir uns an Erinnerungen erinnern, uns die Zukunft vorstellen, die Umwelt überwachen, über die Absichten anderer nachdenken, wenn wir träumen oder uns selbst reflektieren. 

Durch bewusstes Atmen nimmt die elektrische Aktivität und Durchblutung in den Regionen des DMNs ab. Etwa 20-30 Minuten Atempraxis beeinflussen das DMN, unser normales Ich-Bewusstsein tritt in den Hintergrund. Wir lösen uns sozusagen auf und kommen zur Ruhe. Wir sind befreit von den typischen Gedankenmustern, fühlen uns zeit- und raumlos bis hin zu einem Gefühl von Einheit und Heilsein.

Weil das DMN keine Barriere mehr ist, kommt unser Gehirn an unbewusste, lange vergessene Gedanken. Im täglichen Leben unterdrücken wir viele Emotionen und Erinnerungen, aber während einer Atempraxis beginnen unser Unterbewusstsein und unser Körper, sie freizusetzen.

Wenn während einer Atempraxis physische und emotionale Symptome auftauchen oder schon vorhandene sich verstärken, ist das der richtige Moment, sich zu öffnen und loszulassen. Wenn wir regelmäßig unsere Atmung trainieren, werden die neuronalen Netze zu unserer emotionalen Intelligenz gestärkt. Wir kommen aus alten Denkmustern und festgefahrenen Emotionen heraus. Das Vertrauen in die eigene Kraft und Handlungsfreiheit wächt.

Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Default_Mode_Network