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Sollte ich für die Meditation möglichst gleichmäßig atmen oder ist das eigentlich völlig egal?

Ich beobachte, dass im täglichen Leben die Dauer des Ein- und Ausatmens oft unterschiedlich lang ist, vor allem im Gespräch. Dann wird schnell ein- und langsam (während des Sprechens) ausgeatmet. Deine Übungen zielen darauf ab, dass Ein- und Ausatmen jeweils gleich lang dauern.

Was ist die natürliche Dauer? Dass Ein- und Ausatmen jeweils gleich lang sind? Ist Reden dann „unnatürlich“?
Sollte ich für die Meditation möglichst gleichmäßig atmen oder ist das eigentlich völlig egal?

Für die Beantwortung der Frage hilft ein wenig Theorie. Das Yogasutra von Patanjali erklärt zur Atmung:

  1. Es gibt diese Atemphasen: Die Ausatmung, die Einatmung und die 2 Atempausen.
  2. Dann gibt es die Längen der Atemphasen. Die Länge der Ausatmung, der Einatmung und Atempause ist bei jedem Menschen anders. Je nach Lungenkapazität, Alter, körperlicher und geistiger Verfassung, ob wir schlafen oder wach sind, laufen oder liegen usw.
  3. Und es gibt den Atemrhythmus. Das ist das Verhältnis der Atemphasen zueinander. Z. B. 4 Sekunden Einatmen, 4 Sekunden ausatmen und jeweils 1 Sekunde Atempause dazwischen, 4:1:4:1.

 

Der Atemrhythmus sagt etwas über unsere momentane Verfassung. In Ruhe atmen wir etwa 2 Sekunden ein und 4 Sekunden aus, mit einer kurzen Atempause dazwischen, 2:4.

Bei körperlicher Anstrengung ist die Ein- und Ausatmung gleich lang 1:1.

Sind wir im Stress, ist die Atmung flach und die Einatmung kann länger sein als die Ausatmung, z. B. 2:1. Das erzeugt mehr inneren Druck, weil sich die Luft in den Lungen anstaut.

Ein paar Mal lang auszuatmen nimmt den inneren Druck. Wenn man länger aus- als einatmet, sinkt der Muskeltonus (Grundspannung der Muskulatur). Im Liegen ist der Muskeltonus geringer, als wenn wir stehen und uns noch zusätzlich aufregen.

 

Die Stimmbänder funktionieren nur mit der Ausatmung. Wenn wir entspannt sprechen, holen wir zwischen den Worten kurz Luft, das ist ganz natürlich und wir bemerken das nicht. Wenn wir mit innerer Anspannung reden, drücken wir die Luft raus, der Bauch, Kiefer, Hals usw. sind angespannt. Die Einatmung fließt auch nicht mehr richtig hinein, die ganze Atmung ist flach. Das hört man bei manchen Menschen in der Stimme oder die Stimme ist nach dem längeren Reden rau. Entspanntes singen ist gesund, weil wir dabei mehr Ausatmen als Einatmen.

 

Vor der Meditation beobachten wir die Atmung in Verbindung mit dem wechselnden Fokus am Scheitel und den Fußsohlen. Durch das Beobachten verändert sich die Atmung und wird bewusster und tiefer, der Körper entspannt. Atemübungen und Atembeobachtungen im Yoga sollen den Geist beruhigen. Ist der Geist ruhiger geworden, wird es leichter zu meditieren.

 

Photo by Jenelle Ball / Unsplash

2 Gedanken zu „Sollte ich für die Meditation möglichst gleichmäßig atmen oder ist das eigentlich völlig egal?

  1. Soll ich bei der Meditation meinen Atemrhythmus aktiv beeinflussen?
    Oder passt der sich durch die Meditation automatisch an und wird harmonisch?

    1. In der Meditation solltest du deinen Atemrhythmus nicht beeinflussen. Wenn dein Fokus in der Meditation auf die Atmung gerichtet ist, beobachtest du sie nur ohne sie zu verändern. Die Atmung wird mit der Zeit ganz natürlich, dein eigenes gesundes Atemmuster entsteht in der Meditation.

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